Archive for November 19, 2011

Uni

Hallo Leute, gleich zu Anfang, damit ihr euch keine Sorgen macht: Mir geht es viel, viel besser.

Im September hatte ich noch einige stimmungsmäßige Tiefschläge, und an manchen Stellen dachte ich mir wirklich: das pack ich nicht.  Das war’s, ich dreh jetzt durch. Aber dann hat endlich, endlich, ENDLICH das Semester begonnen und ich konnte wieder an die Uni! Und innerhalb von ein paar Tagen sind die depressiven Gedanken einfach verpufft. Vermutlich weil ich endlich wieder etwas zu tun hatte und meine Gedanken sich mal wieder mit etwas Neuem beschäftigen konnten. Ein paar Vorlesungen kann ich mit meinen alten Kommilitonninen besuchen, und es fühlt sich fast wie früher an. Wir sitzen da, lachen und machen Quatsch und haben in diesen Momenten keine wirklichen Probleme. Ja, und natürlich lernen wir auch fleißig und motiviert ;)

In solchen Situationen macht es mir sogar fast nichts aus, von irgendwelchen Leuten mehr oder weniger unverhohlen angestarrt zu werde (und dass, obwohl ich meine Stock sogar loswerden konnte). In der Universität hält es sich auch noch in Grenzen, aber auf der Straße darf ich mir dann schon oft die blödesten Sprüche anhören. Keine Ahnung, wie die Leute darauf kommen, jemandem mit einer offensichtlichen Behinderung anzupöbeln. (Meine Mutter hat mir ja so etwas wie Anstand beigebracht, weiß nicht, wie das dann bei denen ist.) Ja, ich weiß, einige von euch werden jetzt sagen, ich soll gelassen bleiben und mich nicht drüber aufregen, bringt ja eh nichts. Aber bei so etwas will ich überhaupt nicht gelassen bleiben, ich könnte jedes mal wieder explodieren, wie man nur so unverschämt dämlich sein kann. Und wenn man die Leute drauf anspricht “Man, kann ich doch nicht wissen, was mit dir ist. Dachte, du hättest dir das Bein gebrochen” Mein Gott, wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten. Aber gut, ich reg mich lieber nicht weiter auf. Bringt wirklich nichts :D

In manchen Momenten kehren auch wieder die Erinnerungen zurück. Es ist seltsam, den Rest der Zeit schaffe ich es gut, alles zu verdrängen. Ich kann mich zwar größtenteils an das letzte Jahr erinnern, aber es fühlt sich nicht real an. Als wäre es einer anderen Person passiert, und nicht mir. Und dann, nur für ein paar Minuten, kommt alles wieder zurück und der emotionale Abstand ist nicht mehr da. Dann sehe ich mich wieder in diesem Krankenbett liegen, und ich schmecke den metallischen Geschmack des Chemo-Medikaments auf meiner Zunge. Ich fühle die Angst und die Einsamkeit, die Übelkeit und die Schmerzen.

Glücklicherweise sind diese Momente seltener geworden, und langsam kehrt meine alte Lebensfreude zurück. Ich könnte die ganze Welt umarmen und freue mich wieder auf die Zukunft. Außerdem bin ich ja nun vor ein paar Wochen endlich Tante geworden, da kann man einfach gar keine schlechte Laune haben ;)

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