Hallo leute, diesmal melde ich mich aus der reha wieder. die chemotherapien sind endlich, ENDLICH abgeschlossen und seit mitte januar bin ich nun hier, um wieder laufen zu lernen. dachte ich zumindest, denn in wirklichkeit sitze ich mal wieder nur rum und warte darauf, dass die zeit verstreicht (ich habe es langsam echt satt. einfach nur satt!) anfangs hatte ich bettruhe, weil ich mir nach der chemo ne fette erkältung eingefangen hatte. als die vorüber war ging’s mir zwei tage gut, bis ich mir ne sepsis zugezogen hatte. kaum war die überstanden, musste ich in isolation, weil die blutwerte abrauschten….nach endlosen tagen war ich endlich soweit, dass ich mit dem reha-programm loslegen konnte. nur blöd, dass es da kaum was gibt für mich außer einmal am tag ne physiotherapie. keine ahnung wie die sich das hier vorgestellt haben, ob ich von alleine wieder anfange zu laufen? es hat wochen gedauert, die ärzte zu bequatschen, damit sie mir mehr therapien verschreiben….ich soll mich ja nicht überfordern und bla, und sowieso haben die gar nicht genug kapazitäten für 2mal am tag physio…(für ne reha echt schwach)
tja und kaum war es soweit…tadadaaa, da kam die gürtelrose. also wieder umziehen in ein iso-zimmer, diesmal eine winzige kammer mit kaum tageslicht, wirklich sehr nett. dreimal am tag menschen in schutzanzügen gesehen, die mein essenstablett auswechseln. ich glaube, erst hier habe ich ein wirkliches verständnis für zweigs “schachnovelle” mit seiner sauberen folter entwickelt… lustigerweise kam auf rtl (ja, ich sehe immer noch leidenschaftlich gerne hartz4-tv
) zeitgleich ein ‘experiment’ eines reporters, der sich eine woche in seiner wohnung eingeschlossen hat, ohne echten menschlichen kontakt, und er hat ja SO gelitten, der arme mensch. ich glaub die sollten dem einfach im krankenhaus mal ein iso-zimmer zuweisen, dann hat er wirklich was worüber er jammern kann.
apropos jammern: ich habe ja mit meinen mitpatienten hier mal wieder einen echten glücksgriff getan. um mich herum nur alte klischeerentner. wie gesagt, ich habe nichts gegen alte menschen, hatte ja im krankenhaus viele tolle ältere frauen neben mir, aber DAS HIER….ist wie die parodie eines schlechten filmes! das einzige, worüber sie sich unterhalten können ist das wetter und das essen. gerne auch in kombination, zb. am ende jeder mahlzeit: “oh, sie haben aber fein aufgegessen, da wird morgen bestimmt die sonne scheinen!”. favourit ist übrigens – wer hätte es gedacht! – die schwarzwälderkirschtorte! ich könnte ihnen draufkotzen, wirklich. oh, ach ja, ich habe vergessen, dass sie sich auch sehr gern über krankheiten unterhalten. mein unvergessenes lieblingszitat hier: “ich lag seit 3 wochen im krankenhaus und hatte jetzt eine magen-op, womit haben wir dieses schlimme schicksal nur verdient?!” (ihr müsst euch noch die dramatisch-hysterische stimme dazudenken). also sowas auf ner onkologie-station zu bringen ist schon…mutig, würd ich sagen.
naja, aber ich will hier mal nicht nur negatives und destruktives erwähnen. gestern war übrigens der 24., das bedeutet genau gestern vor einem jahr hat der albtraum für mich begonnen. und wie gedenkt man so einem feierlich-ernstem tage am besten? richtig, mit dem konzert einer amerikanischen hardcore-punkband! mein freund hatte mich am abend zuvor aus der reha entführt (aber psst
) und mich nach dresden gebracht, auf das konzert meiner lieblingsband, the casualties. es war einfach nur ein spitzenmäßiges gefühl, dort den abend mit meinen freunden, unter meinesgleichen, zu verbringen. keine meckernden omis mehr, keine leute in schutzanzügen, kein pseudo-mäßiges entspannungsgedudel. und vor allem: nicht mehr im bett irgendwo am arsch der welt die zeit abwarten! anfangs hatte ich bedenken, ob ich die ganze zeit stehend bewältigen kann oder ob mein körper doch noch zu schwach ist….aber es ist einfach unmöglich, dort zu stehen und der musik zuzuhören, die leute beim tanzen zu beobachten und sich von der energie NICHT anstecken zu lassen. im endeffekt war’s also gar kein problem, aber leider musste ich ja dann irgendwann los, schließlich musste ich in ein paar stunden wieder aufstehen und brav weiterüben… aber ich bin froh, dass ich mir in dem moment, als sich die ganze scheiße jährte, sagen konnte “siehst du, hättest du vor einem jahr noch gedacht, dass du es überlebst und wieder hierherschaffst?”
nächste woche breche ich die reha dann auch übrigens ab, weil ich gemerkt habe dass es mir absolut nichts bringt hier rumzuhocken. lieber gehe ich nach hause und fange endlich wieder an, meinen alltag auf die reihe zu kriegen. einmal am tag physiotherapie kann ich schließlich auch dort haben.
so, jetzt muss ich aber wirklich weitermachen. bis zum nächsten mal!